Ab in die Schublade!

Die kleinen Retter in der Not

Stephan

Immunglobuline

Die kleinen Retter in der Not

Was sind Immunglobuline ?

Unsere klei­nen Hel­fer gegen Keime, Pilze, Para­si­ten, Bak­te­rien, Viren und was uns sonst noch alles so besie­deln und über­fal­len kann: die Immun­glo­bu­line (viele ken­nen sie ein­fach als Anti­kör­per). Sie sind ein ganz wich­ti­ger Bestand­teil unse­rer kör­per­ei­ge­nen Abwehr. Die aus Pro­te­inen (also Eiwei­ßen) bestehen­den Hel­fer­chen tra­gen also ent­schei­dend dazu bei, dass wir gesund blei­ben.

Wie funktionieren die ?

Wenn ein Fremd­kör­per, man sagt auch Anti­gen, in den Kör­per ein­ge­drun­gen ist – das pas­siert über die Atem­wege, auf den Schleim­häu­ten oder durch Ver­let­zun­gen und Wun­den – dann hef­ten sich die Anti­kör­per an den Ein­dring­ling fest. So machen die Immun­glo­bu­line dem rest­li­chen Immun­sys­tem klar: Hier ist ein Feind! Durch diese Funk­tion wer­den Infek­tio­nen abge­schwächt oder sogar ver­hin­dert. Eben­falls kön­nen unsere klei­nen Freunde regu­lie­rend auf Anti­kör­per wir­ken, wel­che sich gegen das eigene Immun­sys­tem gerich­tet haben (wie es bei Auto­im­mun­krank­hei­ten der Fall ist). Durch das immu­no­lo­gi­sche Gedächt­nis kön­nen die Anti­kör­per den glei­chen Feind bei einem erneu­ten Angriff noch viel schnel­ler iden­ti­fi­zie­ren.

Die Immun­glo­bu­line selbst kön­nen das ent­spre­chende Ziel nicht zer­stö­ren, sie haben viel­mehr die Auf­gabe, die Ziele zu mar­kie­ren und für wei­tere Abwehr­sys­teme bes­ser angreif­bar zu machen.”

Immun­glo­bu­line wer­den von akti­vier­ten B-Zel­len ­pro­du­ziert und haben unter­schied­li­che Funk­tio­nen!

Das Schlüssel – Schloss Prinzip

Die Ober­flä­che eines Anti­gens ist mit einer Menge Schlös­sern (Andock­stel­len) ver­se­hen. Wenn nun ein Anti­kör­per mit pas­sen­dem Schlüs­sel an so ein Schloss andockt, dann signa­li­siert unser Hel­fer dem rest­li­chen Immun­sys­tem, dass hier drin­gend ein Säu­be­rungs­trupp auf­tau­chen muss.

Das Ig-Alphabet

IgA

Das Immun­glo­bu­lin A ist unser Spe­zia­list in Sachen Abwehr auf den Schleim­häu­ten. Es sitzt bevor­zugt in Nase, Rachen und im Darm.

10–15% der Immun­glo­bu­line im Serum sind IgA. Es gibt IgA1 und IgA2, wel­che sich in ihrer Mole­kül­masse unter­schei­den. Das sekre­to­ri­sche IgA (sIgA) arbei­tet direkt auf unse­ren Schleim­häu­ten und in den Ver­dau­ungs­se­kre­ten. IgA geht auch in die Mut­ter­milch über und schützt so den Säug­ling.

IgD

Über das Immun­glo­bu­lin D weiß man noch gar nicht so viel.

Es fun­giert bei ruhen­den B-Lym­pho­zy­ten als Rezep­tor für Anti­gene. IgD bin­det und akti­viert Baso­phile und Mast­zel­len und wird pro­du­ziert, wenn die B-Zelle das Kno­chen­mark ver­lässt. Frei im Serum baut es sich sehr schnell wie­der ab und macht nur 0,2% des Gesamt­im­mun­glo­bu­l­ins aus.

IgE

Diese Anti­kör­per sind die ein­zi­gen die vor­wie­gend Zell­ge­bun­den sind und sich gerne an Mast­zel­len und baso­phille Gra­nu­lo­zy­ten hef­ten. Dort kön­nen sie auch über Jahre ver­blei­ben.

Ihre pri­märe Auf­gabe ist der Schutz vor End­o­pa­ra­si­ten. Bin­det IgE ein All­er­gen, dann ver­an­lasst es die Mast­zelle Stoffe aus­zu­schüt­ten, die eine All­er­gie aus­lö­sen (z.B Hist­amin). Das IgE macht zwar auch weni­ger als 1% des Gesamt­im­mun­glo­bu­l­ins aus (sogar nur 0,1%), ist aber essen­zi­ell wich­tig in der Beur­tei­lung von ato­pi­schen Erkran­kun­gen wie Asthma und Neu­ro­der­mi­tis.

IgM

Der Sprin­ter unter den Immun­glo­bu­li­nen ist das Immun­glo­bu­lin M.

Als soge­nann­ter Früh­an­ti­kör­per iden­ti­fi­ziert es schnell Anti­gene und kann ebenso das Kom­ple­ment­sys­tem akti­vie­ren. Sie machen etwa 5–10% aller Immun­glo­bu­line aus. Sie befin­den sich im Blut und in der Lym­phe.

IgG

Gut dreiviertel der Gesamt­im­mun­glo­bu­line im Serum sind IgG. Als ein­zi­ger Anti­kör­per gelangt es durch die Pla­zenta in den Fötus und sorgt so für einen Schutz­ des Kin­des, der bis zu drei Mona­te nach der Geburt anhält. IgG ist vor allem für die Abwehr von Viren und Bak­te­rien zustän­dig. Es wird bei Erst­in­fek­tion nach ca. 3 Wochen gebil­det, kann aber bei erneu­tem Anti­gen­kon­takt sehr schnell reagie­ren und eine Zweit­in­fek­tion sogar ver­mei­den.

Das IgG wird in vier Subklassen eingeteilt

Wärend IgG1 und IgG3 für die Abwehr von T- Zell abhän­gi­gen Anti­ge­nen wie Viren und bak­te­ri­el­len Toxi­nen zustän­dig sind, reagiert das IgG2 auf T-Zell unab­hän­gige Anti­gene wie Pneu­mo­kok­ken oder bei Influ­enza.

Das IgG4 spielt vor­al­lem bei all­er­gi­schen Pro­zes­sen eine Rolle.

IgG1 60–75% des Gesamt IgG sind IgG1

IgG2 15–25% des Gesamt IgG sind IgG2

IgG3  3- 6% des Gesamt IgG sind IgG3.

IgG4  2- 6% des Gesamt IgG sind IgG4.

Es gibt viele Erkran­kun­gen die mit den Immun­glo­bu­li­nen zusam­men­hän­gen. Das kön­nen ange­bo­rene Immun­de­fekte sein wie der selek­tive IgA Man­gel oder das Hyper IgE Syn­drom, All­er­gien und Ekzeme aber auch Auto­im­mun­krank­hei­ten und neu­ro­de­ge­ne­ra­tive Pro­zesse wer­den von Immun­glo­bu­li­nen beein­flusst. Immun­glo­bu­line wer­den schon lange in Impf­stof­fen und zur Sub­sti­tu­tion von IgG-Man­gel­syn­dro­men ver­wen­det. Der­zeit gibt es immer mehr Indi­ka­tio­nen für eine Behand­lung mit Immun­glo­bu­li­nen.

Im nächs­ten Teil beschäf­tige ich mich mit Immun­glo­bu­li­nen als Medi­ka­ment. Von der Gewin­nung über die Prä­pa­ra­ten bis hin zur Ver­ab­rei­chung zeige ich, was es mit den Glo­bu­li­nen als Ersatz­the­ra­pie auf sich hat.

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