Ab in die Schublade!

Immer unter Druck

Stephan

Hi,

schön, dass du vorbei liest. Heute geht es um so allgemeine Dinge die mich beschäftigen. In meinem ersten mindfuck Beitrag schreibe ich über Generationskonflikte und reflektiere die Veränderungen in unserer Gesellschaft. Ich schreibe über den Druck, dem wir ausgesetzt sind und was passiert, wenn man ihm nicht standhalten kann. Ein bunter Mix aus Beobachtungen und Tatsachen; die Probleme unserer Welt mal auf den Punkt gebracht.

Ich bin Jahrgang 1986, letztes Jahrhundert, letztes Jahrtausend. Am 23.12.2004 bin ich volljährig geworden und dieses Jahr werde ich schon 32 Jahre alt. Ich glaube keine Generation hatte so viele Umbrüche, Erlebnisse und Veränderungen wie meine und selbst wenn, dann läuft der Fortschritt für unsere Generation in Highspeed-Sprüngen ab.
Ich zähle zu den letzten, die noch in keiner digitalisierten Welt mit weltweiter Vernetzung und Smartphones aufgewachsen sind. Gleichzeitig gehöre ich aber zu den ersten, die als Jugendlicher ein Handy hatten. Der erste Computer, da war ich 11/12, und so langsam hatten mehr und mehr solch eine Rechenmaschine für den Privatgebrauch.

Generation: Wir belassen alles beim Alten

Die Generation meiner Mutter, Jahrgang 53, führte ein völlig anderes Leben als wir. In einem besetzten und geteilten Deutschland holte man damals noch die Milch mit großen schweren Kannen direkt vom Hof und für die Kartoffelernte musste sogar die Schule geschwänzt werden.
Die Rolle der Frau in der Gesellschaft war definitiv eine andere als heute so wie auch das typische Bild einer Familie.
Ich sage nicht, dass es früher einfacher war, es war alles eher einfacher gehalten, klarer definiert und lief in geregelteren Bahnen als im Jahre 2018. Es gibt ja schon einige Bewegungen die das entschleunigte Leben von früher in mehr oder weniger abgespeckter Weise genau so leben, um dem Druck und der Schnelligkeit unserer Zeit zu entkommen – kleine Parallelwelten inmitten einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft. Die, die vor mir waren tun sich oft schwer damit, sich an Neues zu gewöhnen. Wenn man Oma Ilse (fiktiver Charakter) besucht, dann hat die 74 jährige immer noch den alten Röhrenfernseher, den
Plattenspieler von Anno dazumal und auch die Farbe von Tapete und Möbel sind irgendwo in den 60ern hängen geblieben. Oma Ilse denkt mit nem Ei Pott (iPod) kocht man Eier und dieses *Internetz* ist ihr zu kompliziert.  

Generation: Selbstbewusst und Frei

Die, die nach mir kamen haben größtenteils mit alten Gesellschaftsstrukturen gebrochen und sich längst dem Tempo der Zeit angepasst. Obwohl es meiner Meinung noch ein, zwei Generationen benötigt bis sich auch unsere Biologie an den neuen Lifestyle angepasst hat. Heute ist lange noch nicht jeder in der Lage dieses Tempo zu halten und lange nicht jeder ist dem Druck der Leistungsgesellschaft gewachsen. Die neue Generation kennt unzählige Geschlechter und Genderformen. Viel mehr noch werden diese heute zunehmend akzeptiert, ebenso wie Homo-, Bi-, Inter- und Transsexualität. Man hat heute auch einfach alles schon mal gesehen.

Die klassische Ehe ist offen für alle und längst nicht mehr Jedermanns/Jederfraus Konzept fürs ganze Leben. Jede zweite Ehe wird geschieden und es wird erneut geheiratet. Ein sicherer Hafen auf Zeit.  Die verruchte Ménage-à-trois (Dreierbeziehung) wird mittlerweile zum offen gelebten Modell einer modernen Beziehungsführung. In deutschlands Großstädten hat sogar die Polyamorie (Beziehung mit mehreren anderen) einzug gehalten und so manch ein Mann und so manch eine Frau geht erst gar keine feste Bindung ein. Freie Liebe? Hatten wir das nicht schon mal? Jein!
Was früher der Ausdruck einer Rebellion war wird heute tatsächlich so gelebt. Man geht arbeiten und wenn man nach Hause kommt, dann sitzen da halt noch zwei Menschen anstatt vielleicht nur einer. An diesem Wochenende geht Tim zu seinem festen Freund Leon und am darauffolgenden ist er bei seiner Liebhaberin Sarah. Das ist kein Werteverfall sondern die individuell ausgelebte Art zu lieben.

Die Zeiten von Zwangsehen, Zweckehen und ungewollten Verbindungen sind nun mal zumindest in unserer Gesellschaft vorbei und lange haben viele Menschen für die Freiheit gekämpft “Leben und Lieben” zu können wie sie es wollen.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot – ja das war einmal. Statussymbole haben sich geändert. Lebenswerte Zeit und Unabhängigkeit sind heute die erstrebenswerten Dinge im Leben. Heute sitzt man nicht mehr selbstverständlich 8 Stunden im Bürostuhl von Tag zu Tag. Man hat gemerkt, dass der Arbeitnehmer die wichtigste Ressource eines Unternehmens ist und so erfindet sich die Arbeit nach und nach neu. Es wird mit der Zeit ja sowieso nicht mehr genug Arbeit für alle geben. Schon heute kann man im Prinzip von der ganzen Welt aus arbeiten. Produktiv sein wenn man am produktivsten ist und nicht wenn es feste Strukturen vorgeben.
Geld auf die hohe Kante legen ist ja kaum einem mehr möglich. Die Sicherheiten von früher bröckeln, zerfallen oder sind schon verschwunden. Ich mein es lohnt sich nicht mehr Geld auf der Bank zu sparen oder es zu horten und unsere Rente ist so unsicher wie nie. Wenn ich sehe wie es jährlich Rentenerhöhungen gibt, dann weiß man sofort, dass ich bei dem derzeitig System später keine Rente mehr bekommen werde. Der demographische Wandel lässt ja überhaupt nichts anderes zu.

Generationsprobleme

Die Generation vor mir hatte ganz andere Probleme als meine und auch die Generation nach mir hat ihre Pakete zu tragen. Den Generationskonflikt wird es immer in irgendeiner Form geben und doch haben ich und meine Altersgenossen Probleme die über das Maß des normalen Wandels hinausgehen.
Aufgewachsen mit den Konformitäten unserer Eltern und Großeltern wurden wir quasi in ein neues Zeitalter geschleudert. Ich versuche es mal so zu erklären: Stell dir vor jeder Mensch ist ein Programm und die Erde ist eine sich ständig wandelnde Maschine. Die Gene aber auch die Umwelt und soziale Einflüsse prägen unser Programm. Dieses Programm ist aber nie so ganz aktuell. Früher war es so, dass die Veränderungen der Maschine so langsam waren, dass das Programm sich nach und nach updaten konnte. Heute ist die Hardware immer schneller so fortgeschritten, dass die Menschen die noch ein altes Programm haben, dieses nicht richtig ausführen können.
Leider gibt es nun mal Datenträger die nicht mehr mit aktuellerer Hardware funktionieren. Wenn man es verpasst sein Programm zu aktualisieren, ja dann steht einem zwangsläufig eine Fehlermeldung bevor. Dabei finde ich auch lange nicht alles gut an neuer Software! Die hat oft Kinderkrankheiten oder ist noch nicht ganz realitätserprobt und wie ich finde bezieht sie sich zu sehr nur auf Oberflächen.
(Kleiner Hinweis: ich liebe Synoyme und Wortspiele)

Menschmaschiene

Wir haben es auch wirklich nicht leicht heute. Durchtrainierte Männer und Frauen räkeln sich umhüllt mit Selbstliebe und einem unmessbar großen Ego durch die sozialen Netzwerke. Der Traumjob ist natürlich vorhanden und in den Urlaub geht es alle vier Wochen. Unglaublich gesunde Menschen, die ja sowas von im Leben stehen und einfach nur alles richtig machen, beliebt gleich geliebt und wenn ich es nur genug will, ja dann kann ich das auch alles haben. Ich muss mich nur genug anstrengen und schaffe alles was ich will. Nein fuck kann ich nicht!
Zwar gibt es Zeiten im Leben wo dieser übertriebene Optimismus dich durch schwere situationen bringt und doch ist zu sagen “Du schaffst das wenn du nur genug dafür tust” eine ultra gefährliche Aussage. Gerade dieser Spruch ist mit absoluter Vorsicht zu genießen, denn eigentlich ist er eine Lüge. Müsste es nicht vielmehr heißen “Du schaffst alles im Rahmen deiner Möglichkeiten” Wäre das nicht ein viel ehrlicherer Ansatz?
Es ist nicht fair, wenn nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Kommst du aus nem sozial schwachen Haushalt, haste in der Regel dein Leben lang die Arschkarte. Geld macht zwar nicht Glücklich, verschafft dir aber Möglichkeiten und Optionen die man ohne nicht hat.
Kommst du krank auf die Welt oder wirst im Laufe deines Lebens krank, dann hast du die Arschkarte und musst  eh für alles mehr Kraft, Zeit und Geld aufbringen. Ereilt dich ein Schicksalsschlag und du verlierst alles was du hast ja dann hast du auch die Arschkarte und wenn du auf diese verdammt harte und manchmal ziemlich gemeine Welt nicht klarkommst ja dann hast du erst Recht die Arschkarte und landest irgendwann auf der roten Couch oder gleich in der Klapse. Die Gesellschaft erwartet Perfektion und Unfehlbarkeit! Anderssein ist akzeptiert aber bitte nur wenn es nicht mehr Aufwand macht! Leistung Leistung über alles, immer schneller und gleichzeitig besser … ahhhhhhhhh mir platzt der Kopf. 

Systemcrasher

Ja wer so seine Probleme hat sich anzupassen, ist schnell im gesellschaftlichen Aus. Dabei ist es total egal, dass man nichts für die eigene Situation kann. Entweder du lebst etwas in der Vergangenheit und machst dir keinen großen Kopf, oder du kommst super zurecht und fühlst dich wohl in dieser Zeit, oder du hangelst dich durch und kommst halbwegs zurecht – alles drei ist ja irgendwie vertretbar und doch gibt es Menschen meiner Generation die dabei verloren gehen. Diese Verlierer ihrer Zeit gibt es in jeder Generation, nur schließen diese sich nun erstmals zusammen, organisieren sich und versuchen die Welt zu einem schlechteren Ort zu machen. Schuld an der eigenen Unfähigkeit sich anzupassen sind immer die anderen. Das sind so “Ich muss mich nicht verändern”-Menschen. Sie fühlen sich in der Regel immer im Recht, sind nicht zugänglich für echte Argumente und neigen dazu ihre eigene Unzufriedenheit auf bestimmte Personengruppen zu projizieren. Der Staat ist für diese Personengruppe oft ein Feindbild und wird in Teilen oder gänzlich abgelehnt und nicht anerkannt.
Anstatt die großen Probleme der Welt anzugehen – Krieg, Hunger und Krankheit sowie den Klimawandel. Anstatt im Kleinen selbst etwas zu tun, konzentriert dieser verloren gegangene Teil unsere Gesellschaft seine angestaute Unzufriedenheit in Verschwörungstheorien und rechtem Gedankengut. Mir macht das Angst!

Eine positive Aussicht ?

Ich glaube ja, es dauert nicht mehr lange und dann gibt es den großen Systemcrash. Derzeit gehen alle Verbindungen auseinander; Die Welt und Europa waren nie so zerrüttet wie im Moment. Auch unser Sozialsystem wird so nicht mehr lange funktionieren. Eigentlich vermute ich, dass nichts mehr so sein wird wie jetzt. Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten und Geld wird irgendwann einen anderen Stellenwert bekommen müssen. Wir werden nicht mehr alle arbeiten müssen und deshalb werden wir auch nicht um ein bedingungsloses Grundeinkommen herumkommen. Wer nicht mit verschlossenen Augen und tauben Ohren durch die Welt läuft erkennt schnell, wie schlecht es unserem Planeten geht, was die Generationen vor uns Mutter Erde angetan haben und was die Mehrheit ihr heute noch antut. Die Meere sind voller Plastik, Tiere sterben aus, die Luft wird schlechter und der Klimawandel zieht viele Katastrophen mit sich. Unser Trinkwasser ist schlecht geworden und wir hören einfach nicht auf, die Böden zu überdüngen und ändern nichts an unserer Landwirtschaft.

Ich glaube wirklich, dass wir irgendwann in Frieden und im Einklang mit der Natur leben werden. Der Mensch hat die geistigen Fähigkeiten eine neue Welt zu erschaffen.

Wenn:

…alles Geld der Welt, aller Besitz und jede Habe gleich gerecht auf alle aufgeteilt wären.

…kein Mensch mehr Hunger oder Durst leiden muss und jeder Zugriff auf eine gute medizinische Versorgung hätte.

…jeder die gleichen Chancen auf Bildung hätte.

…alle die gleiche Sprache sprechen könnten.

…die Menschheit verantwortungsvoll und nachhaltig mit natürlichen Ressourcen umgehen würde.

…alle Religionen abgeschafft werden würden.

… jeder die Chance hätte Kultur zu erleben.

… wir aufhören würden uns selbst in den Vordergrund zu stellen.

… wir aufhören nach Unterschieden zu suchen und beginnen Gemeinsamkeiten zu ergründen.

Ja wenn wir einfach mal auf Menschlichkeit setzen.
Lieber Leser, liebe Leserin, ich hoffe euch qualmt jetzt nicht der Kopf und bin gespannt was ihr zum ersten mindfuck Beitrag sagt. Ich bin ein Mensch, der wirklich über so ziemlich alles nachdenkt worüber man nachdenken kann. Die großen Probleme der Gesellschaft beschäftigen mich natürlich sehr – eben weil ich, wie wir alle, direkt davon betroffen bin und auch mal über den Tellerand blicke.
So, das soll es für heute gewesen sein. Hinterlasst gerne einen Kommentar hier oder in den sozialen Netzwerken. Wenn euch meine Gedanken gefallen haben, dann dürft ihr sie gerne teilen.

Euer Stephan

Teilen twitter/ facebook/ Link kopieren