Ab in die Schublade!

Nachtschweiß - klatschnass und trotzdem Liebe

von Jens Bierwirth

Lie­be Lese­rin­nen und Leser,

mei­ne Erkran­kung bringt ja so eini­ges mit sich und es gibt Situa­tio­nen, die sind für mich abso­lut unan­ge­nehm. War­um mir aber genau die­se Momen­te bewei­sen, dass mein Mann mich wirk­lich sehr, sehr doll lie­ben muss, könnt ihr in die­sem klei­nen aber fei­nen Bei­trag lesen. Eine für uns mitt­ler­wei­le ganz all­täg­li­che Sache und doch gar kein so leich­tes The­ma für mich, aber lest selbst.

Seit nun mehr als 9 Jah­ren lei­de ich unter wie­der­keh­ren­dem Nacht­schweiß. Ange­fan­gen hat alles damals mit der aku­ten EBV-Infek­ti­on. Heu­te habe ich sowohl EBV als auch CMV chro­nisch und der Nacht­schweiß plagt mich pha­sen­wei­se doch sehr stark. Seitdem ich Schild­drü­sen­hor­mo­ne bekom­me ist die gan­ze Sache noch eine Ecke schlim­mer gewor­den. Wenn ich Immun­glo­bu­li­ne sub­sti­tu­ie­re, dann schwim­me ich nachts manch­mal in mei­nem eige­nem Saft.

Das war schon so schlimm, dass die letz­te Matrat­ze irgendwann bis aufs Lat­ten­rost durch­ge­schim­melt war (oder zumindest hatten wir das Gefühl). Ihr müsst euch vor­stel­len, dass unter mei­ner Bett­sei­te ein Matrat­zen­scho­ner liegt und dar­un­ter noch ein Hand­tuch. Wenn ich am Tag schon mer­ke, dass ich übertem­pe­riert bin, dann lege ich mich zusätz­lich noch auf ein Bade­tuch.

Es gibt Zei­ten, da muss ich mei­nen Schatz nachts wach machen damit er mir Sachen zum abtrock­nen holt. Heu­te Mor­gen war es dann wie­der soweit: Ich sit­ze total K.O. und erschöpft auf der Couch. Jens hat schon mal mit dem Haus­halt ange­fan­gen obwohl er gleich das Haus verlassen müsste. Er kommt zu mir, stellt mir einen Kaf­fee hin und sagt: “Hast stark geschwitzt heut Nacht, stimmts?” wor­auf ich ant­wor­te: “ohje, man riecht es, oder?” – “Nicht schlimm” sagt Jens. Er steht auf, geht zum Bett, holt mei­ne Sachen und packt sie zum Aus­lüf­ten auf den Bal­kon.

Nach einer län­ge­ren Pau­se – weil es mei­ner Leber nicht so gut ging – hat­te ich wie­der mit mei­ner Dau­er­an­ti­bio­se ange­fan­gen. Naja was soll ich sagen, im Moment rie­che ich mor­gens nach einer Mischung aus Essig, ver­faul­ten Eiern und irgend ­etwas Ver­dor­be­nem.

Ich weiß nicht, wie er das macht, dass er ein­fach so damit zurecht kommt. Was sol­che Din­ge betrifft ist er wirk­lich erstaun­lich gelas­sen. War­um ich euch sowas schrei­be? Es gehört halt ein­fach mit dazu und wenn auch nur ein ein­zi­ger Mensch sich durch die­sen Bei­trag weni­ger blöd vor­kommt, ja dann bit­te soll die Welt doch wis­sen, dass mei­ne Erkran­kung auch mal eklig sein kann. Immer­hin hab ich einen Mann der mich trotz­dem liebt.

Euer Ste­phan

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