Ab in die Schublade!

Silence

von Jens

Ein interaktives Drama im Gewand eines wunderschönen Märchens

Das Com­pu­ter- und Video­spie­le für uns mehr als eine sinn­freie Dad­de­lei dar­stel­len und wir der Mei­nung sind, dass sich das Medi­um bes­tens dafür eig­net anspruchs­vol­le Geschich­ten zu erzäh­len, ist ja nun nichts neu­es. Die Geschich­te die ich euch heu­te vor­stel­len möch­te, ist aber noch mal etwas ganz beson­de­res…

Stille in der geflüsterten Welt

Vor­ab soll­te man viel­leicht erwäh­nen, dass Silen­ce der Nach­fol­ger des schon im Jahr 2009 erschie­ne­nen Adven­tures »The Whi­s­pe­red World« ist und an des­sen Geschich­te anknüpft. Wer den Vor­gän­ger nicht kennt oder ohne die kniff­li­gen Rät­sel der geflüs­ter­ten Welt in Silen­ce ein­tau­chen möch­te, dem ver­ra­te ich im fol­gen­den Absatz kurz umris­sen die Hand­lung:

The Whi­s­pe­red World han­delt von der Geschich­te des jun­gen Clowns Sad­wick, der zusam­men mit sei­nem älte­ren Bru­der und Opa als klei­ner Wan­der­zir­kus durch die Welt zieht. Bedingt durch einen sich immer wei­ter aus­brei­ten­den Krieg läuft das Geschäft mit den Lachern aber eher schlecht als recht – das Sad­wick die Welt eher melan­cho­li­sch als lebens­froh betrach­tet, macht dies natür­li­ch nicht bes­ser. Zusam­men mit sei­nem stän­di­gen Beglei­ter Spot der wan­del­ba­ren Rau­pe ver­lässt er den Zir­kus und ver­fängt sich im Vor­ha­ben unfrei­wil­lig die Welt zu ret­ten und den König des Rei­ches zu hei­len. Am Ende der Geschich­te fin­det Sad­wick im Thron­saal jedoch nur einen Spie­gel vor, in wel­chem er sich selbst erblickt – lie­gend in einem Kran­ken­bett in wel­chem ihm von sei­nem Vater die Geschich­te der geflüs­ter­ten Welt vor­ge­le­sen wird. Sad­wick ist in Wirk­lich­keit der im Koma lie­gen­de Jun­ge Noah, und die geflüs­ter­te Welt samt Sad­wick sein Traum.

Zu Beginn von Silen­ce ler­nen wir Noah und sei­ne klei­ne Schwes­ter Renie ken­nen, Kriegs­wai­sen wel­che sich wäh­rend eines Luft­an­griffs in eine Luft­schutz­bun­ker ret­ten. In sei­nem Bestre­ben das Mäd­chen zu beru­hi­gen, erzählt Noah ihr die Geschich­te von Sad­wick dem Clown. Plötz­li­ch kracht es, das Licht fällt aus und man fin­det sich allei­ne mit Noah in einem zer­stör­ten Bun­ker wie­der. Auf der Suche nach der klei­nen Renie durch den Schütt wüh­lend ver­än­dert sich die Umge­bung: Aus dem Bun­ker wird eine Höh­le mit Relik­ten aus der Geschich­te der geflüs­ter­ten Welt. Und hier beginnt das eigent­li­che Silen­ce…

Wer ist die Köni­gin?

Ohne zu viel zu ver­ra­ten kann man das Grund­ge­rüst der Hand­lung in etwa so beschrei­ben: Die Köni­gin lässt das gan­ze Reich von ihrer Suchern, dunkle unheim­li­chen Wesen, nach magi­schen Split­tern durch­su­chen. Eine Rebel­lion setzt sich die­ser fal­schen Köni­gin ent­ge­gen und sucht nach einer Mög­lich­keit das Reich zu befrie­den – und Renie als auch Noah bzw. Sad­wick lan­den mit­ten­drin.

Ver­zweif­lungs­freie Rät­sel und eine ergrei­fen­de Geschich­te

Auch wenn es sich um ein Adven­tu­re han­delt ist die Schwie­rig­keit der gestell­ten Auf­ga­ben eher ein­fa­cher ein­zu­ord­nen. Das Spiel möch­te in ers­ter Linie eine Geschich­te erzäh­len – und das macht es außer­or­dent­li­ch gut. Inhalt­li­ch nimmt einen Silen­ce von Sze­ne zu Sze­ne mehr in sei­nen Bann, was unter ande­rem natür­li­ch auch an der unglaub­li­ch schö­nen Optik liegt (aber dazu spä­ter mehr). Mit zuneh­men­dem Hand­lungs­ver­lauf wer­den wir uns der Trag­wei­te der Geschich­te immer bewuss­ter, stel­len Ver­mu­tun­gen über Renie, Noah, Sad­wick, die fal­sche und die wah­re Köni­gin sowie Silen­ce selbst an – bis wir den Punkt errei­chen, an wel­chem uns die gan­ze Trau­rig­keit der Wahr­heit bewusst wird. Und den­no­ch hält das Spiel zwei Enden der Geschich­te für uns bereit.

Eine wun­der­schö­ne Insze­nie­rung

Das gan­ze Spiel sieht im wahrs­ten Sin­ne mär­chen­haft aus und zieht einen als Spie­ler oder Zuschau­er ein­fach magi­sch in sei­nen Bann. Spä­tes­tens beim Auf­tritt der knud­del­sü­ßen Rau­pe Spot ist es end­gül­tig um uns gesche­hen, aber auch ansons­ten mag die Optik der mit­tel­al­ter­li­chen Fan­ta­sy-Welt zu begeis­tern. Wo der Vor­gän­ger noch voll­stän­dig hand­ge­zeich­net war, gehen bei Silen­ce hand­werk­li­ches Geschick und 3D-Gra­fik Hand in Hand. Die­se Kom­bi­na­tio­nen ermög­licht unter ande­rem stim­mungs­vol­le Beleuch­tungs­ef­fek­te aber auch film­glei­che Kame­ra­fahr­ten über Hand­lungs­or­te und Cha­rak­te­re.

Ver­gli­chen mit den hyper­rea­lis­ti­schen Bil­dern der Tri­ple-A Gra­fik­wun­der (vor allem aus dem Bereich der Ego-Shoo­ter) wirkt Silen­ce natür­li­ch ver­gleichs­wei­se beschei­den, hat aber etwas, das vie­le ande­re Spie­le nicht haben: eine See­le. Optik und Inhalt grei­fen durch das Set­ting und die vie­len lie­be­voll gestal­te­ten Details so gut inein­an­der, dass man sich ein­fach immer wie­der denkt »ist das schön«.

Eine unend­li­ch end­li­che Geschich­te

Silen­ce ist kein Spiel für Hard­core-Rät­se­ler oder Action-Fans, aber für jeden der Geschich­ten mag. Ich wür­de sagen, jeder der die unend­li­che Geschich­te moch­te, wird Silen­ce lie­ben. Für uns selbst hät­te die Sto­ry um Renie, Noah und Sad­wick zwar noch etwas län­ger sein kön­nen damit wir mehr von die­ser mär­chen­haf­ten Welt zu sehen bekom­men, aber sobald man das Ende kennt weiß man ein­fach, dass es eigent­li­ch gen­au die rich­ti­ge Erzähl­dau­er gewe­sen ist.

Wenn ihr Lust bekom­men habt selbst in Silen­ce ein­zu­tau­chen habt ihr dazu auf Play­Sta­ti­on 4, XBOX One, PC oder Mac Gele­gen­heit. Erhält­li­ch ist das Spiel beim Elek­tro­nik­markt oder Fach­händ­lers eures Ver­trau­ens, über Steam, GOG, dem PSN und XBOX­li­ve.

Ihr seid kein Spie­ler möch­tet die Geschich­te aber trotz­dem erle­ben? Dann schaut doch mal in die Let’s Plays von Gronkh oder Trash­taz­ma­ni rein.

Lasst euch von Silen­ce ver­zau­bern,

Euer Jens

PS: An die­ser Stel­le noch ein gro­ßes Lob an die Ent­wick­ler vom ham­bur­ger Publis­her Dae­da­lic Enter­tain­ment für die­ses inter­ak­ti­ve Mär­chen, das eigent­li­ch gar kei­nes ist.

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