Ab in die Schublade!

Tabuthema Leben

Stephan

Tabuthema Leben

vom Recht auf das Glücklichsein und warum wir dieses nicht wahrnehmen

Dürfen chronisch kranke Menschen das Leben genießen ?

Warum sollte man keine Umstände mit ein­an­der ver­glei­chen und wieso ist es wich­tig immer wie­der zu dif­fe­ren­zie­ren? In die­sem Bei­trag geht es um nichts ande­res als den Ver­zicht auf posi­ti­ves in schlech­ten Zei­ten. Gefan­gen in gesell­schaft­li­chen Kon­ven­tio­nen ver­ges­sen wir viel zu oft was das Wesent­li­che ist. Guck in den Spie­gel, dann weist du was ich meine.

Ich habe schon so oft über die ste­reo­type Adap­tion, also das soge­nannte Schub­la­den­den­ken im Gesund­heits­we­sen geme­ckert, über Ärzte und Pfle­ge­per­so­nal wel­che stig­ma­ti­sie­ren und psych­ia­tri­sie­ren nur weil ihnen der indi­vi­du­elle Blick auf den Men­schen fehlt.

Man kann ja schließ­lich auch Flöhe und Läuse gleich­zei­tig haben, oder? Warum also fan­gen wir nicht ein­fach mal da an wo wir am ehes­ten etwas bewir­ken kön­nen.

Genau, bei Uns selbst!

Warum zur Hölle nei­gen wir in unse­ren beschränk­ten Denk­mus­tern dazu immer wie­der Ver­glei­che zu zie­hen wo man keine zie­hen sollte?

Der Vergleichs-Battle

Wenn man Men­schen in ihrer Kom­mu­ni­ka­tion beob­ach­tet, dann fällt auf, dass sich im Gespräch regel­rechte “mir geht’s aber schlech­ter” oder “ich bin aber schlim­mer dran”-Battles ent­wi­ckeln.

Wenn Oma Inge beim Bäcker mit der Ger­trud dar­über dis­ku­tiert, wes­sen Mann denn jetzt die schlim­mere Knie-Op hatte, wird schnell klar: Da will jemand ein­fach nur Mit­leid oder ist so ver­ein­samt und gelang­weilt, dass es keine ande­ren The­men mehr gibt als das eigene Leid oder das des Umfelds. Ich finde es genauso furcht­bar, wenn die Müt­ter der Kin­der die hier in der Straße zur Grund­schule gehen, sich dar­über defi­nie­ren wie beschäf­tigt, gestresst aber erfolg­reich die eige­nen Kin­der sind.

Warum muss man immer alles mit­ein­an­der ver­glei­chen? Men­schen sind indi­vi­du­ell und jeder hat ganz eigene Stär­ken und Schwä­chen. Ich bin der fes­ten Mei­nung wenn man immer nur über so nega­tive Dinge redet und sich in der Kom­mu­ni­ka­tion stets im Kampf­mo­dus befin­det, dann han­delt es sich dabei um unsi­chere Men­schen ohne Selbst­wert­ge­fühl oder um Per­so­nen mit einem ziem­lich gestör­ten Gel­tungs­be­dürf­nis.

Ich mein wer stän­dig dar­über redet wie krank man ist oder wie beschis­sen irgend­et­was ist, dem kann es auch ein­fach nicht gut gehen. Es gibt Men­schen die sind in die­ser Nega­ti­vi­tät so gefan­gen , dass sie ver­lernt haben glück­lich zu sein. Wenn Sprü­che wie „Ich erwarte nix ‚dann werde ich auch nicht ent­täuscht“ zur Lebens­phi­lo­so­phie wer­den , dann ist man an einem ganz kri­ti­schen Punkt ange­langt.

Wir soll­ten uns ein­fach alle wie­der mehr auf uns selbst kon­zen­trie­ren und auf­hö­ren jede Klei­nig­keit zu bewer­ten. Dinge die man nicht ändern kann sollte man hin­neh­men und nicht nach dem Warum suchen. Die Ener­gie die man ver­braucht auf der Suche nach Ant­wor­ten kann man doch bes­ser nut­zen um die „Situa­tion“ zu über­ste­hen.

Ein Beispiel:

Ein 11 jäh­ri­ges Mäd­chen strei­tet mit ihren 9 jäh­ri­gem Bru­der dar­über wer es schwe­rer in der Schule hat. Die Schwes­ter argu­men­tiert “Boah, ich bin aber viel wei­ter als du und unsere Sachen sind viel schwe­rer und über­haupt bist du noch in der Grund­schule!” – Belei­digt zieht der Junge ab.

Dann kommt die Mama der bei­den und sagt “Hör mal meine kleine, kannst du dich noch daran erin­nern, wie doof du Mathe vor zwei Jah­ren fan­dest?” das Mäd­chen ant­wor­tet mit einem kla­ren “Ja”.“Dann schau mal, für dei­nen Bru­der ist doch das was er lernt jetzt auch alles neu und schwer – so wie es für dich auch war. Ver­stehst du? Er ist zwar jün­ger und zwei Klas­sen unter dir, aber für ihn selbst ist das alles doch ziem­lich anstren­gend. Außer­dem hat jeder Men­sch unter­schied­li­che Talente. In ande­ren Din­gen ist man manch­mal nicht so gut. Das kannst du ein­fach nicht ver­glei­chen. Genauso unter­schied­lich wie alle Men­schen aus­se­hen so unter­schied­lich sind sie auch innen drin.”

Was ich damit sagen will ist, dass man nie das Leid oder den Stress von ande­ren mit dem eige­nen ver­glei­chen soll. Das funk­tio­niert ein­fach nicht. Schlimm wird es, wenn der Gesund­heits­zu­stand ver­gli­chen wird. Hier möchte ich jetzt mal ganz hart aber offen eine Frage in den Raum stel­len:

Wem geht es schlech­ter? Ein Krebs­pa­ti­ent der gut gegen Schmer­zen ein­ge­stellt ist, seine The­ra­pie pro­blem­los ver­trägt und ein gan­zes Fach­arzt-Team hin­ter sich ste­hen hat – oder einem Pati­en­ten der mit 41 Grad Fie­ber, Lun­gen­ent­zün­dung und Ganz­kör­per­schmer­zen wegen einer ech­ten Grippe sta­tio­när auf­ge­nom­men wer­den mus­ste? … Schwie­rig stimmt?

So, und jetzt gehen wir mal weg von die­sen unge­sun­den Gedan­ken­gän­gen und beschäf­ti­gen uns mit der Frage, wie viel Spaß darf ein kran­ker Men­sch haben. Klingt nach einem kras­sem Sprung, aber eigent­lich knüpft es ja genau bei den Ver­hal­tens­mus­tern an, wel­che ich eben mit euch durch­ge­kaut habe. Beschäf­ti­gen wir uns also nun damit warum viele chro­ni­sch kranke Men­schen sich selbst viel weni­ger Gutes tun als sie könn­ten.

Mit sich selbst verhandeln

Es ist und bleibt meist ein ewi­ges Abwie­gen von Aktion und Reak­tion, von Spaß haben und die Fol­gen dar­aus ertra­gen müs­sen, von medi­zi­ni­sch rele­vant und “naja, das kann ich mal igno­rie­ren”. Für mich ist es keine Frage mehr. Ich hab Spaß am Leben und zwar mit allen Kon­se­quen­zen. Ich ertrage Schmer­zen und chro­ni­sche Müdig­keit wenn ich wich­tige Dinge erle­di­gen muss.

Warum soll ich dann nicht auch ein­fach mal etwas in Kauf neh­men für etwas posi­ti­ves, für etwas das mir see­li­sch gut tut? Gehe ich fei­ern – was wirk­lich nicht mehr oft pas­siert – dann geht es mir am nächs­ten Tag ein­fach sche***e. Aber wenn man das weiß, kann man sich drauf ein­stel­len und trotz­dem mal raus gehen. Ich liebe Spa­ghetti-Eis und ich geh fast daran kaputt, wenn ich eines esse – aber ich lasse es mir nicht neh­men, da ich so schon immer auf vie­les ver­zich­ten muss. Solange ich mich nicht in Lebens­ge­fahr begebe und solange meine Behand­lung nicht lei­det, kann ich auch mal Dinge tun von denen mir abge­ra­ten wird. Es kommt halt immer auf das Wie an.

Was ich kann, kannst du auch !

Ja du! Du mit einer ätzen­den Erkran­kung und auch du da – genau du, die sich immer wie­der ver­gisst, weil das Kind ja Vor­rang hat. Auch du, mit dei­ner beschis­se­nen Ver­gan­gen­heit und du, der vor kur­zem jeman­den ver­lo­ren hat. Ihr alle dürft glück­lich sein! Ihr habt es doch wirk­lich schon schwer genug.

Kotzt euch aus und dann packt das Leben wie­der an. Es wird nie ein­fach und trotz­dem macht es Sinn wei­ter und immer wei­ter zu machen. Wenn es euch mal gar nicht gut geht, dann ist das auch in Ord­nung – nur hal­tet euch nicht daran son­dern an den schö­nen Din­gen fest.

Irgend­wie geht es doch immer noch und wer viel ertra­gen muss, der darf und sollte – nein, muss sogar immer und immer wie­der etwas gutes Erle­ben.

Ihr habt es ver­dient glück­lich zu sein! Ver­gesst das nie!

Euer Ste­phan

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