Ab in die Schublade!

Unser Immunsystem – oft vergessene Fakten Teil 2

Stephan

Unser Immunsystem
– oft vergessene Fakten Teil 2

Psychoneuroimmunologie oder
“Jede Zelle meines Körpers ist glücklich”

Im ersten Teil über die oft vergessenen Fakten des Immunsystems habe ich mich mit den physiologischen und mechanischen Barrieren sowie besonderem lymphatischen Geweben und dem Wurmfortsatz auseinander gesetzt. Heute geht es um den direkten Zusammenhang zwischen Immunsystem und der Psyche, beziehungsweise dem Gehirn. Lasst uns gemeinsam die noch recht unerforschten Bereiche der Immunabwehr durchleuchten, um so bestimmte Prozesse besser verstehen zu können.

Nerven, Psyche und Immunsystem

Packt man diese drei Disziplinen in einen Topf, so befindet man sich im Bereich der Psychoneuroimmunologie. Ein noch recht neues Forschungsgebiet, welches seinen Durchbruch dem amerikanischen Psychologen Robert Ader zu verdanken hat. In Experimenten konnte er erstmals nachweisen, dass das Immunsystem mit dem Nervensystem zusammenarbeitet und lernen kann.

Die Grundlage dieses Forschungsgebietes stützt sich auf die Tatsache, dass Botenstoffe des Immunsystems unser Gehirn beeinflussen und Botenstoffe des Gehirns ebenso unser Immunsystem beeinflussen können. So sind die Nebennieren und die Hirnanhangdrüse, genau wie bestimmte Immunzellen, direkte Schnittstellen der beiden Wirkungskreise Hirn und Immunabwehr.

Es gibt bestimmte die Botenstoffe, die Neuropeptide, welche aus dem Gehirn ins Blut geschwemmt werden können um Makrophagen (Fresszellen) zu beeinflussen. Dabei können diese Stoffe die Geschwindigkeit sowie die Bewegungsrichtung der Makrophagen steuern. Erstaunlich oder?

Was man schon nachweisen kann und beobachtet hat!

Bei chronischem Stress sinkt die Konzentration vom sekretorischen IgA, also dem Immunglobulin welches auf der Schleimhaut sitzt und direkt gegen Infekte der oberen Atemwege kämpft.
Weiterhin schütten die Nebennieren bei chronischem Stress vermehrt verschiedene Kortikosteroide und Glukokorttikoide (körpereigene Kortisone) aus, welche beide immunsupressierend wirken. Dadurch wird nicht nur die Zytokin-Produktion gehemmt, sondern sie mindern auch die Reaktivität von T- und B-Zellen und die Aktivität der natürlichen Killerzellen. Die Kernaussage ist also, dass langanhaltender Dauerstress unser Immunsystem nachweislich runter fährt.
Mittlerweile gibt es weitere Vermutungen über direkte Zusammenhänge zwischen der Psyche und zellulären Immunprozessen. So glaubt man das Depressionen und CD8+ T-Suppressorzellen in Abhängigkeit zu einander stehen, genau wie Neugierde und CD4+ T-Helferzellen. Außerdem konnte man beobachten, dass bei akuter Angst viel weniger Rezeptoren mit Interleukin-2 besetzt sind.
So sind depressive Menschen ohne Neugierde, die zum Beispiel Panikattacken haben, viel Anfälliger gegenüber Autoimmunerkrankungen und Infektionen als positiv denkende und wissensdurstige Menschen, die sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen.
Es stimmt also wirklich: Seele, Körper und Geist müssen im Einklang sein, damit wir gesund bleiben.

Stress, Depression und Angst – Fakten

Zuerst ein mal eine gute Nachricht: Stress ist nicht immer schlecht fürs Immunsystem.

Alte evolutionäre Überbleibsel sorgen noch Heute dafür, dass in akuten Stresssituationen unser angeborenes Immunsystem in wenigen Minuten hochfährt und zu Höchstleistungen bereit ist. Warum kann ich euch erklären: Früher als wir noch jagen und sammeln mussten, war unser Leben recht gefährlich. Damit unsere Vorfahren sich auf der Flucht vor Tieren keine Infektionen einfingen, wenn sie sich zum Beispiel Wunden zugezogen haben, hat unser Immunsystem diesen kleinen Trick entwickelt und bis Heute profitieren wir davon. Bei chronischem Stress und zurückliegenden Traumata sieht es allerdings anders aus.

Man fand heraus, dass sowohl die angeborene und die erworbene Immunabwehr bei psychischer Dauerbelastung entweder eine Verminderung oder sogar Fehlfunktionen aufweisen kann. Das bedeutet also chronischer Stress vermindert die Anzahl von Abwehrzellen sowie Antikörpern und sorgt gleichzeitig dafür das diese Zellen nicht richtig funktionieren.

Der Zusammenhang von Depressionen und dem Immunsystem ist noch nicht ausreichend erforscht. Allerdings konnten alle Forscher übereinstimmend feststellen ,dass eine echte Depression die Anzahl von NK-Zellen mindern kann. DIese Zellen sind unter anderem dafür verantwortlich, bösartig entartete Zellen zu vernichten.

Als Beweis dient die Tatsache, dass nach Einnahme von Antidepressiva die Anzahl der NK-Zellen wieder ansteigt. Über Angst weiß man nur, dass diese die Produktion von weißen Blutkörperchen mindern kann.

Aber jetzt bitte keine Panik – Wer Menschen mag ist seltener Krank

Ich kann euch ja nicht nur mit negativ Beispielen kommen und deshalb schauen wir uns mal an, wie eine positive Denkweise und ein gutes soziales Umfeld mindestens genauso wichtig fürs Immunsystem sind wie die anderen Mechanismen unserer Abwehr.
“Denk doch mal etwas positiver und es wird dir besser gehen.” Toller Spruch oder?
Naja, aber so ungern man so etwas hört, so wahr ist diese Aussage eben auch. Unterschiedliche Studien fanden heraus, dass Optimismus die Funktionen des Immunsystems verstärkt und den Auswirkungen von Angst entgegen wirkt.

Ein gutes Beispiel fand man in der Langzeitbeobachtung von HIV-Patienten. Patienten mit einer positiven Grundeinstellung hatten NK-Zellen mit erhöhter Toxizität (und somit einen besseren Wirkungsgrad).

Ein – wie ich finde – sehr interessantes Studienergebniss zeigt, dass Menschen mit einem guten Selbstwertgefühl nach einer Röteln-Infektion mehr Antikörper hatten als Menschen die mit sich selbst absolut nicht zufrieden sind. Also habt euch alle lieb!

Mehrere Studien konnten belegen, dass kontaktfreudige und offene Menschen sich nicht so leicht mit Erkältungsviren anstecken wie verschlossene und unsoziale Menschen.

Wer ein gutes Umfeld hat in dem man sich wohl fühlt, der hat auch mehr NK-Zellen als ein einsamer Mensch. Generell wirken sich gute soziale Bindungen positiv auf die erworbene Immunabwehr aus.

Was lernen wir jetzt daraus?

Psychosomatische Erkrankungen sind keine Einbildung! Wie man mit seiner Erkrankung umgeht kann wirklich den Krankheitsverlauf beeinflussen – deshalb ist es gerade für chronisch Kranke Menschen wichtig, dauerhaft mit sich und der Erkrankung im Einklang zu sein. Leider nutzen viele Scharlatane und Pseudoheiler die Verzweiflung von chronisch kranken und deren Angehörigen – meist Mütter – aus und verkaufen für teuer Geld unwirksame Pseudomedikamente oder wenden fragwürdige Behandlungsmethoden an.

Da der Glaube Berge versetzt denken viele Betroffene es gäbe wirklich eine Wirkung, wo doch nur der Placeboeffekt eingetreten ist. Dies kann zu lebensbedrohlichen Zuständen führen! (Dazu muss man nur die aktuellen Nachrichten verfolgen)

Wenn ihr also unglücklich seid und niemanden habt, dann geht zu einem Fachmann und redet über eure Sorgen und Ängste. Ansonsten würde ich jedem raten, sein Leben trotz aller widrigen Umstände zu genießen und sich auch an kleinen Dingen zu erfreuen.

Vielleicht müssen wir auch alle einfach akzeptieren, dass unsere Psyche eben doch mehr Einfluss auf den Körper hat als gedacht und deshalb gehört meiner Meinung nach eine psychologische Begleitung zur Behandlung von chronisch kranken Patienten dazu.

Man lebt ja schließlich trotzdem!

Euer Stephan

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